{"id":4229,"date":"2026-06-18T09:33:13","date_gmt":"2026-06-18T07:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/?post_type=anleitung&#038;p=4229"},"modified":"2026-06-24T10:22:49","modified_gmt":"2026-06-24T08:22:49","slug":"lebenslanges-lernen-als-modul-im-ersten-semester","status":"publish","type":"anleitung","link":"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/anleitungen\/lebenslanges-lernen-als-modul-im-ersten-semester\/","title":{"rendered":"Lebenslanges Lernen als Modul im ersten Semester"},"content":{"rendered":"\n<p>Viele Studierende sind zu Beginn eines Studiums auf die Anforderungen an ihre Selbstorganisation nicht gut vorbereitet. Darin mag auch eine Ursache f\u00fcr die hohen Abbruchquoten im ersten Semester liegen \u2013 so die Hypothese der Fakult\u00e4t Verfahrenstechnik.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Hypothese zu \u00fcberpr\u00fcfen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Team Lehr- und Kompetenzentwicklung (LeKo) ein Modul \u201eLernen lernen\u201c im Umfang von 4 ECTS entwickelt und im Curriculum verankert. Ziel des Moduls war es, dass die Studierenden ihr Lernen eigenst\u00e4ndig und reflektiert strukturieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:46px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote alignwide is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Ich hatte mit viel Widerstand gerechnet bei den Studierenden.<\/em><\/p>\n<cite>Uta-Beate Gr\u00f6nn, Dozentin des Moduls<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:46px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Eine Besonderheit war, dass das Modul im Tandem von einem Fachdozenten der Fakult\u00e4t, Prof. Christoph Reichel, und einer Lehrbeauftragten mit Coaching-Ausbildung und langj\u00e4hriger Praxiserfahrung, Uta-Beate Gr\u00f6nn, durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Gr\u00f6nn gibt in diesem Praxisbeispiel Einblick in den Ablauf und insbesondere in die Erfahrungswerte und Lessons Learned aus der Praxis nach der zweimaligen Durchf\u00fchrung des Moduls.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-info\">Die Inhalte umfassten Themen und Methoden zu Lernen, Selbstorganisation, Resilienz und Zeitmanagement, wie sie im beruflichen Umfeld g\u00e4ngige Praxis sind.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:46px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie war das Modul aufgebaut?<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Modul werden 2 SWS fachlicher Input zu Lernstrategien, Lernmethoden und Selbstorganisation mit 2 SWS Training und Peer-Coaching kombiniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den <strong>fachlichen Inhalten<\/strong> reicht das Spektrum von klassischen Lerntechniken und Lernmethoden \u00fcber Zeit- und Priorit\u00e4tenmanagement (z.\u202fB. Eisenhower-Matrix) bis hin zu Resilienz, Stressmanagement und Motivation.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Inhalte \u00fcbertragen die Studierenden auf ihre eigene Situation im Studium und wenden die Methoden und Strategien an. Die Studierende erstellen zum Beispiel Wochen- und Lernpl\u00e4ne, reflektieren ihre Fortschritte und entwickeln eigene Strategien. Die <strong>Pr\u00fcfungsleistung <\/strong>erfolgt in Form eines Lernportfolios, in dem die Studierenden ihre Anwendungen und ihre Lernentwicklung dokumentieren und reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim <strong>Peer-Coaching<\/strong> unterst\u00fctzen sich die Studierenden in Kleingruppen gegenseitig bei der Anwendung der Methoden und bei der L\u00f6sung konkreter Herausforderungen aus ihrem Studienalltag. Die Studierenden werden in dieser Phase von beiden Lehrenden in ihrer Rolle als Coaching-Expertin bzw. Fachexperte begleitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2500\" height=\"1209\" src=\"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praxisbeispiel_Tabea-Groenn_Ablauf-Visualisierung-2500x1209.png\" alt=\"Visualisierung des Ablaufs, wie im Flie\u00dftext beschrieben.\" class=\"wp-image-4246\" style=\"aspect-ratio:2.067888084078966;width:483px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praxisbeispiel_Tabea-Groenn_Ablauf-Visualisierung-2500x1209.png 2500w, https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praxisbeispiel_Tabea-Groenn_Ablauf-Visualisierung-1024x495.png 1024w, https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praxisbeispiel_Tabea-Groenn_Ablauf-Visualisierung-768x371.png 768w, https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praxisbeispiel_Tabea-Groenn_Ablauf-Visualisierung-1536x743.png 1536w, https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praxisbeispiel_Tabea-Groenn_Ablauf-Visualisierung-2048x990.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2500px) 100vw, 2500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00dcberblick \u00fcber Ablauf und Bausteine des Moduls<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hat es sich gelohnt, im Tandem zu lehren?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ja, auf jeden Fall. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Fachdozent<\/strong> nimmt w\u00e4hrend er 2 SWS Peer-Coaching eine Schl\u00fcsselrolle ein. Er ist durch seine Mitwirkung automatisch Vorbild f\u00fcr die Studierenden in Hinblick auf die Fachkultur, das Arbeiten und Lernen im Fachbereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch dass der Fachdozent die eigenen Lebenserfahrungen in der Verfahrenstechnik und die H\u00f6hen und Tiefen, die die Arbeit als Ingenieur mit sich bringen, einbrachte, ver\u00e4nderte sich au\u00dferdem die Wahrnehmung der Studierenden. Der Professor wurde nahbar und die Beziehung zu den Studierenden wurde offener und vertrauensvoller.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig ver\u00e4nderte sich auch die eigene Lehre des Fachdozenten. Durch die enge Zusammenarbeit und den Einblick in die Situation und die Lernprozesse der Studierenden entwickelte er seine didaktischen Ans\u00e4tze weiter. Die neuen Impulse aus dem Modul trug er au\u00dferdem \u00fcber Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen an der Fakult\u00e4t in die Breite. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um als Fachdozent das Modul gut mitverantworten zu k\u00f6nnen, braucht es eine generelle Offenheit f\u00fcr neue Formate, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der bzw. dem Coach, Reflexionsf\u00e4higkeit in Bezug auf das Modul und die eigene Rolle sowie echtes Interesse an den Studierenden und deren Lernentwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>In der <strong>Rolle als Coach<\/strong> war die inhaltliche Verantwortung f\u00fcr die Themen im Modul, die konkrete Durchf\u00fchrung der 2 SWS mit fachlichen Inhalten sowie die Moderation und Steuerung der Gruppe beim Peer-Coaching pr\u00e4gend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-default\">Die Coaching-Expertise war essenziell, um die Inhalte passend zur Gruppe zu vertiefen und die individuelle Entwicklung der Studierenden methodisch zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Studierenden ist diese Art der Zusammenarbeit in der Regel neu: Sie sprechen \u00fcber sich und ihre eigenen Schw\u00e4chen, reflektieren mit dem Lernen ein Verhalten, das sonst kaum thematisiert wird, und sie sind angehalten, sich gegenseitig aufmerksam zuzuh\u00f6ren und zu helfen, obwohl sie sich noch nicht gut kennen. Insgesamt ist das eine sehr komplexe Anforderung an die Studierenden, die die professionelle Anleitung und Begleitung der Coaching-Expertin ben\u00f6tigte. Sie erm\u00f6glichte es, auch schwierige Situationen wie Konflikten oder Widerstand in den Lernprozess zu integrieren und eine konstruktive Arbeitsatmosph\u00e4re zu st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kam das Modul bei den Studierenden an?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"is-style-success\">Der Erfolg des Moduls zeigt sich auf jeden Fall deutlich in den Zahlen: Die Abbruchquote konnte deutlich gesenkt werden \u2013 nahezu alle Studierenden haben ihr Studium nach dem ersten Semester fortgesetzt..<\/p>\n\n\n\n<p>An unmittelbaren Effekten zeigten die Studierenden eine st\u00e4rkere Bindung innerhalb der Kohorte, als es aus vergangenen Semestern bekannt war. Sie beteiligten sich auch in den anderen Modulen aktiver und suchten den Kontakt zur Lehrperson. Zum Beispiel sa\u00dfen die Teilnehmenden des Moduls in einer Fachvorlesung geschlossen in den vorderen Reihen und interagierten mit dem Dozenten, w\u00e4hrend andere Studierende eher passiv im Hintergrund blieben und lose \u00fcber die hinteren Reihen verteilt sa\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00c4u\u00dferungen der Studierenden wurde deutlich, dass das Modul als hilfreich empfunden wurde, um das Studium zu verstehen und sich wohlzuf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-info\">Besonders gesch\u00e4tzt wurden konkrete Tools, wie die Pomodoro-Technik, die Eisenhower-Matrix sowie das Lernportfolio als Reflexionsinstrument.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders positiv \u00fcberraschend war, wie gut viele der Studierenden das Modul angenommen haben. Sie haben nicht nur die Inhalte in ihr Lernverhalten integriert, sondern die Techniken und Methoden auch eigenst\u00e4ndig weiterentwickelt und zum Beispiel weiter recherchiert oder nach passenden digitalen Tools gesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Peer-Coaching w\u00fcnschen sich die Studierenden intensivere Anleitung, und sie regten an, das Modul ans Ende eines Studientages zu platzieren, so dass im Anschluss keine Fachveranstaltung mehr stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lohnt sich der Aufwand, ein solches Modul einzuf\u00fchren?<\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz der vielen positiven Effekte ist das Format nat\u00fcrlich anspruchsvoll und die Zusammenarbeit im Tandem erfordert Abstimmung und gegenseitiges Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch \u00fcberwiegen die Erfolge und Vorteile, die f\u00fcr ein solches Modul sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abbruchquote wurde nachweislich massiv reduziert, die Studienleistungen verbessert. Die Studierenden wuchsen als Kohorte zusammen und bereichern die Lehre durch ihre aktive Beteiligung und den Kontakt zu den Lehrenden. Pers\u00f6nliche Hemmnisse bei einzelnen Studierenden kamen fr\u00fchzeitig ans Licht und konnten durch die Vermittlung in individuelle Coachings aufgefangen werden, bevor sie den Studienverlauf gef\u00e4hrdeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich w\u00e4re es f\u00f6rderlich f\u00fcr das Konzept, am Anfang einen Einf\u00fchrungstag als Blockveranstaltung zu machen und dann nur ca. 8-10 Wochen das Modul fortzuf\u00fchren, so dass die Studierenden dann genug gelernt haben, um die Pr\u00fcfungszeit gut organisiert selbst zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-success\">Insgesamt kann das Modul als voller Erfolg bewertet werden, der auf jeden Fall den Invest an Zeit und den Platz im Curriculum rechtfertigt: Das ganze Studium \u00fcber das Modul hinaus wird davon profitieren &#8211; so die R\u00fcckmeldung der Studierenden, der beiden Lehrenden und anderer Lehrender, die in dem Modul hospitierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept l\u00e4sst sich gut auf andere Fakult\u00e4ten \u00fcbertragen, da es bewusst flexibel angelegt ist und bereits f\u00fcr mehrere Anwendungsszenarien angepasst wurde und umgesetzt wird. <strong>F\u00fcr einen gelungenen Transfer empfiehlt sich, <\/strong>das Format zun\u00e4chst erlebbar zu machen \u2013 etwa durch gemeinsame Workshops oder Coaching-Sequenzen mit Lehrenden der Fakult\u00e4t, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr Ablauf und Wirkung zu entwickeln. Entscheidend ist, das Modul nicht starr zu \u00fcbernehmen, sondern an die jeweiligen Bedarfe der Lehrenden und der Studierenden sowie an die Fachkultur und die Rahmenbedingungen anzupassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Abbruchquoten zu reduzieren, wird ein Modul zu lebenslangem Lernen im ersten Semester integriert. 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