{"id":4349,"date":"2026-06-30T14:21:01","date_gmt":"2026-06-30T12:21:01","guid":{"rendered":"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/?post_type=anleitung&#038;p=4349"},"modified":"2026-08-20T14:45:01","modified_gmt":"2026-08-20T12:45:01","slug":"mehr-als-texte-tippen-schreiben-als-lern-und-denkwerkzeug","status":"publish","type":"anleitung","link":"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/anleitungen\/mehr-als-texte-tippen-schreiben-als-lern-und-denkwerkzeug\/","title":{"rendered":"Mehr als Texte tippen: Schreiben als Lern- und Denkwerkzeug\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaftliches Schreiben ist weit mehr als das Formulieren korrekter Texte. Es ist eine zentrale Praxis akademischen Lernens, die Denken, Wissen und soziale Zugeh\u00f6rigkeit miteinander verbindet. Gerade vor dem Hintergrund generativer KI lohnt es sich, diese Grundlagen in den Blick zu nehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-d8a76fd8\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Was Sie hier lernen&nbsp;<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Artikel erfahren Sie,<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>wie sich Schreibkompetenz \u00fcber das Studium hinweg entwickelt und dabei an Fachwissen gebunden ist,\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li>warum Schreiben ein zentrales Lern- und Denkwerkzeug im Studium ist,&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>und warum sich der Umgang mit KI je nach Fach deutlich unterscheidet.&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schreibentwicklung im Studium&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Studierende beginnen ihr Studium h\u00e4ufig mit reproduktiven Schreibformen: Mitschreiben, Zusammenfassen, Beschreiben, Wiedergeben. Im Verlauf des Studiums entwickeln sie zunehmend reflexive und argumentative Schreibkompetenzen, lernen Positionen abzuw\u00e4gen und eigene Thesen zu formulieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Kompetenz w\u00e4chst mit dem fachlichen Verst\u00e4ndnis. Wissenschaftliches Schreiben ist an Inhalte gebunden und l\u00e4sst sich nicht losgel\u00f6st davon beherrschen. Wer eine Versuchsreihe auswerten oder eine sozialarbeiterische Fallentscheidung begr\u00fcnden soll, muss die Sache durchdrungen haben, \u00fcber die geschrieben wird. Deshalb bringen Studierende das wissenschaftliche Schreiben nicht fertig aus der Schule mit, sondern erwerben es im Studium an den jeweiligen Inhalten immer wieder neu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die Schreibkompetenz parallel zum Fachwissen w\u00e4chst, geschieht das nicht von selbst. Sie braucht gezielte Schreibanl\u00e4sse, Feedback und Gelegenheiten zur \u00dcberarbeitung, Aspekte, die bei KI-gest\u00fctzten Schreibprozessen bewusst gestaltet werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-2b3ea71a\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Schreiben als Denkwerkzeug<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"is-style-success wp-block-paragraph\"><strong>Beispiel: <\/strong>Eine Protokollaufgabe in zwei Varianten. Variante A lautet: \u201eDokumentieren Sie Versuchsaufbau, Messwerte und Auswertung.&#8220; Variante B enth\u00e4lt zus\u00e4tzlich den Satz: \u201eVergleichen Sie Ihre Messwerte mit den theoretisch erwarteten Werten und erkl\u00e4ren Sie Abweichungen.&#8220; Wer Variante A bearbeitet, kann das Protokoll abgeben, ohne die eigenen Daten je mit der Theorie in Verbindung gebracht zu haben. Variante B macht das unm\u00f6glich, denn eine Abweichung l\u00e4sst sich nur erkl\u00e4ren, wenn man verstanden hat, was gemessen wurde. Die Protokolle zu Variante B der Studierenden enthalten nun \u00dcberlegungen zu Kontaktwiderst\u00e4nden und Bauteiltoleranzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hat die zus\u00e4tzliche Frage bewirkt? Solange Messwerte nur in der Tabelle stehen, k\u00f6nnen sie unverbunden neben der Theorie existieren. Wer eine Abweichung erkl\u00e4ren soll, muss dagegen einen Zusammenhang formulieren und pr\u00fcfen. Beim Schreiben wird so eine Verst\u00e4ndnisl\u00fccke sichtbar, die beim blo\u00dfen Eintragen der Daten verborgen geblieben w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schreibforschung unterscheidet zwei Modi (Bereiter &amp; Scardamalia 1987): Beim <em>knowledge telling<\/em> wird vorhandenes Wissen abgerufen und aufgeschrieben. Beim <em>knowledge transforming<\/em> ver\u00e4ndert sich das Wissen durch das Schreiben selbst. Wer formuliert, muss Gedanken ordnen, gewichten, in Beziehung setzen und L\u00fccken schlie\u00dfen. Der Text ist dann Ergebnis und zugleich Motor des Denkens und Lernens.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-1e039783\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Schreibprozesse und Textsorten in den Disziplinen&nbsp;<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Akademisches Schreiben ist disziplinspezifisch gepr\u00e4gt. Jedes Fach hat eigene Textsorten mit eigenen Konventionen, vom Laborbericht in der Verfahrenstechnik \u00fcber die Falldokumentation in der Sozialen Arbeit bis zur Managementanalyse in der BWL. Sie unterscheiden sich darin, wie stark Ergebnisse standardisiert dargestellt werden und wo eine erkennbar eigene Position erwartet wird. Argumentiert und begr\u00fcndet wird \u00fcberall, nur an unterschiedlichen Stellen und in unterschiedlicher Form. Die Fehlerdiskussion im elektrotechnischen Messprotokoll verlangt ebenso eine tragf\u00e4hige Begr\u00fcndung wie die Bewertung einer Intervention in den Gesundheitswissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Textsorten sind nicht nur Formvorgaben. Indem Studierende sie schreibend ein\u00fcben, wachsen sie in die Denk- und Sprechweise ihres Fachs hinein und werden Teil einer fachlichen Gemeinschaft, die sich \u00fcber solche Konventionen verst\u00e4ndigt. Schreiben ist damit auch eine soziale Praxis, ein Hineinwachsen in die Art, wie ein Fach Wissen erzeugt und weitergibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Prozesse dahinter unterscheiden sich. In manchen F\u00e4chern entsteht Erkenntnis vor allem im Labor, am Versuchsaufbau oder in der Konstruktion, und das Schreiben h\u00e4lt am Ende fest, was sich dort gezeigt hat. In anderen F\u00e4chern ist das Schreiben selbst der Ort, an dem gedacht wird, wo sich beim Lesen, Exzerpieren und Formulieren eine Position \u00fcberhaupt erst herausbildet. Meist mischen sich beide Wege, aber ihr Verh\u00e4ltnis verschiebt sich von Fach zu Fach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Einsatz von KI ist das entscheidend. Wo das Schreiben ein Ergebnis dokumentiert, kann Unterst\u00fctzung bei Formulierung und Struktur den fachlichen Kern unber\u00fchrt lassen. Wo das Schreiben selbst das Denken tr\u00e4gt, greift KI mitten in den Erkenntnisprozess ein, und eine \u00fcbernommene Formulierung kann einen Gedanken ersetzen, der eigentlich erst h\u00e4tte entstehen m\u00fcssen. Was als hilfreiche Unterst\u00fctzung gilt, h\u00e4ngt also von Fach und Textsorte ab. Eine pauschale Regelung ist daher wenig zielf\u00fchrend. Stattdessen braucht es disziplinsensible Vereinbarungen \u00fcber zul\u00e4ssige und sinnvolle Nutzungsformen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-77321b95\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">F\u00fcr Hochschulangeh\u00f6rige&nbsp;<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Schreibentwicklung m\u00fcssen Lehrende Studierende nicht allein begleiten. Das <a href=\"https:\/\/www.th-nuernberg.de\/schreibzentrum\">Schreibzentrum<\/a> der Ohm bietet Studierenden Schreibberatung und schriftliches Textfeedback durch Peer-Schreibtutor*innen. Informieren Sie Ihre Studierenden \u00fcber dieses Angebot oder laden Sie das Schreibzentrum ein, sich kurz in Ihrer Lehrveranstaltung vorzustellen<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-5cf5c0ce\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Haben Sie noch 5 Minuten?&nbsp;<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026 dann \u00fcberlegen Sie:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Welche Schreib- und Textformen sind in Ihrem Fach zentral, nicht nur in Wissenschaft und Studium, sondern auch in den zuk\u00fcnftigen Berufsfeldern Ihrer Studierenden?&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Wo liegt der Lernwert Ihrer Schreibaufgaben \u2013 im Produkt oder im Prozess?&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-5e836473\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Tipps f\u00fcr Lehrende&nbsp;<\/h2><\/div>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Nutzen Sie Schreibaufgaben gezielt zur Lernsteuerung, nicht nur zur Bewertung. Beispiel: Eine kurze unbenotete Stellungnahme nach einer Seminardiskussion oder ein Satz wie \u201eWas war heute neu, was bleibt unklar?&#8220; zeigt schnell, wo Verst\u00e4ndnis fehlt.<\/li>\n\n\n\n<li>Machen Sie Schreibprozesse nachvollziehbar, z.\u202fB. durch Zwischenabgaben oder Reflexionen.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Tauschen Sie sich mit Kolleg*innen \u00fcber fachspezifische Schreibkulturen aus.&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Team Lehr- und Kompetenzentwicklung (LeKo) unterst\u00fctzt Sie gerne bei der Weiterentwicklung Ihrer Lehre. <br>\ud83d\udce7 Kontakt: <a href=\"mailto:leko@th-nuernberg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">leko@th-nuernberg.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-info wp-block-paragraph\">Rechtliche Grundlagen zum Einsatz von KI in der Lehre finden Sie in unserem \u00dcbersichtsartikel: KI in der Lehre: Rechtliche Grundlagen auf einen Blick<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-6d66f408\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">So geht es weiter<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im n\u00e4chsten Artikel <a href=\"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/portal-digitale-lehre\/anleitungen\/schreiben-lehren-und-lernen-an-der-hochschule-schreibaufgaben-lernsettings-und-curriculare-verankerung\/\">Schreiben lehren und lernen an der Hochschule: Schreibaufgaben, Lernsettings und curriculare Verankerung<\/a> nehmen wir eine didaktische Perspektive ein und zeigen, wie Schreiben gezielt in Lehrveranstaltungen integriert und gef\u00f6rdert werden kann \u2013 auch au\u00dferhalb klassischer Schreibkurse.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-f3b50480\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Quellen<\/h2><\/div>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bereiter, C. &amp; Scardamalia, M. (1987). The Psychology of Written Composition. Routledge.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-ee5b6db2\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Weiterf\u00fchrende Ressourcen<\/h2><\/div>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PL0S8mYm3dkjcpkpFTq7oZdofpY2pmGEWT\">Wie die Prof(i)s Lesen und Schreiben<\/a>. Interviewserie des Schreibzentrums der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt. Lehrende verschiedener F\u00e4cher sprechen dar\u00fcber, wie sie selbst wissenschaftliche Texte lesen und schreiben. Die Serie macht anschaulich, dass Schreiben auch f\u00fcr erfahrene Wissenschaftler*innen anspruchsvoll bleibt und je nach Fach unterschiedlich verl\u00e4uft.<\/li>\n\n\n\n<li>Lahm, S. (2016): Schreiben in der Lehre. Handwerkszeug f\u00fcr Lehrende. Opladen: Barbara Budrich.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-c9021161\"><h2 class=\"uagb-heading-text\">Im Online Writing Lab (OWL)<\/h2><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Passende Materialien zu diesem Artikel:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/owl\/artikel\/freewriting-fuer-dich-nutzen\/\">Freewriting f\u00fcr dich nutzen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/leko.service.th-nuernberg.de\/owl\/artikel\/unterstuetzung-im-schreibprozess-finden\/\">Unterst\u00fctzung im Schreibprozess finden<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"additional-information sidebar-only accordion\">\n\t<h3 class=\" accordion-title\" >Inhalt<\/h3>\n\t<div class=\" accordion-container\">\n\t\t\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Schreibentwicklung im Studium<\/li>\n\n\n\n<li>Schreiben als Denkwerzeug<\/li>\n\n\n\n<li>Schreibprozesse und Textsorten in den Disziplinen<\/li>\n<\/ul>\n\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildnachweis: Jamillah Knowles &amp; Digit \/ <a href=\"https:\/\/betterimagesofai.org\">https:\/\/betterimagesofai.org<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\">https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0<\/a>\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich Schreibkompetenz \u00fcber das Studium hinweg entwickelt und dabei an Fachwissen gebunden ist,\u00a0warum Schreiben ein zentrales Lern- und Denkwerkzeug im Studium ist,\u00a0und warum sich der Umgang mit KI je nach Fach deutlich 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