Für wissenschaftliche Arbeiten gelten strengere Regeln als für Alltagstexte. Kläre daher vor der Nutzung mit deiner Betreuungsperson, ob und wie du KI-Tools in deiner Arbeit einsetzen darfst. Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Prüfung, Betreuungsperson, Fakultät und Hochschule.

Achtung: Fehlende oder falsche Kennzeichnung von KI-Nutzung kann als Täuschungsversuch gewertet werden.
Du musst KI-generierte Inhalte nicht dokumentieren, wenn du sie für folgende Zwecke nutzt (vgl. Hochschule Bayern 2025, S. 27):
- Rechtschreib- und Grammatikkorrektur
- Übersetzungen
- Stilistische Verbesserungen (ohne Veränderung der Bedeutung)
Sobald KI dich bei der inhaltlichen Arbeit unterstützt, musst du das dokumentieren – zum Beispiel bei:
- Ideenfindung und Brainstorming
- Literaturrecherche
- Zusammenfassungen von Texten
- Generierung von Beispielen
- Strukturierung und Gliederung
- Formulierungshilfen mit inhaltlichem Bezug
- Erstellung von Abbildungen

Wichtig: KI-Tools sind keine Literaturquellen. Du zitierst sie nicht und nimmst sie auch nicht ins Literaturverzeichnis auf. Stattdessen dokumentierst du ihre Verwendung in einem eigenen Anhang (vgl. Hochschule Bayern 2025, S. 31).
Falls deine Betreuungsperson keine Vorgaben macht, wähle eine dieser beiden Varianten – oder frage sie, welche Variante sie bevorzugt:
Variante 1: Einfache Erklärung
Füge nach dem Literaturverzeichnis eine Erklärung ein:
Erklärung: Verwendung von KI-Werkzeugen
- Microsoft Copilot (GPT 5): Ideenfindung, Verbesserung von Formulierungen, Generierung von Beispielen
- SciSpace: Unterstützung bei der Literaturrecherche
- Midjourney: Erstellung von Abbildungen
Wann ist diese Variante geeignet? Wenn du KI punktuell und ergänzend genutzt hast und/oder deiner Betreuungsperson eine allgemeine Erklärung genügt.
Variante 2: Detaillierte Dokumentation
Nutze diese Tabelle, um genau anzugeben, in welchen Arbeitsphasen du welche Tools eingesetzt hast. Füge sie in den Anhang unter der Überschrift „Detaillierte Dokumentation der Verwendung von KI-Werkzeugen“:
|
Arbeitsschritt |
Thema finden und konkretisieren |
Recherchieren |
Strukturieren |
Schreiben |
Überarbeiten |
|
Tool (inkl. Version) |
ChatGPT 4o |
Semantic Scholar |
ChatGPT 4o |
— |
ChatGPT 4o |
|
Grad der Nutzung |
Zur Inspiration |
Unterstützend |
Ergänzend |
— |
Unterstützend |
|
Was genau? |
Brainstorming zu möglichen Schwerpunkten |
Literaturvorschläge zu meinem Thema |
Gliederungsvorschlag auf Basis meiner Notizen |
— |
Aufzeigen lassen von Lücken in meiner Argumentation in der Diskussion |
Grad der KI-Nutzung – Was bedeutet das?
|
Grad der KI-Nutzung |
Zur Inspiration |
Ergänzend |
Unterstützend |
Inhaltsgestaltend |
|
Erläuterung |
KI liefert Impulse, du entscheidest |
KI erklärt oder strukturiert deine eigenen Ideen |
KI arbeitet dialogisch mit dir |
KI liefert direkte Inhalte |
|
Beispiele |
Themenvorschläge, Formulierungsalternativen |
Begriffserklärungen, Gliederung aus deinen Notizen, Zusammenfassungen deiner Texte |
Fragestellung verfeinern, Überarbeitungsvorschläge, Literaturzusammenfassungen |
Hintergrundwissen generieren lassen, KI-Text übernommen, Gliederung vorgegeben bekommen |
(gekürzt nach Baresel et al. 2024)
Wann ist diese Variante geeignet? Wenn du KI intensiv genutzt hast und/oder deine Betreuungsperson eine detaillierte Dokumentation verlangt
Ja, wenn der Prompt entscheidend für dein Ergebnis war. Ein Prompt ist dann relevant, wenn er maßgeblich zur Beantwortung deiner Forschungsfrage oder zur Entwicklung deiner Argumentation beigetragen hat.
Beispiel für einen dokumentationspflichtigen Prompt:
Prompt: Vergleiche die Definitionen von ‚organisationalem Lernen‘ nach Argyris & Schön (1978), Senge (1990) und Nonaka & Takeuchi (1995). Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und erstelle eine Synopse in Tabellenform.
ChatGPT 5, OpenAI, 28.10.2025, https://chatgpt.com/share/6900ab46-f85c-800d-af68-3b5bc76ae99d
Warum dieser Prompt dokumentiert werden muss: Das KI-Tool hat hier eine zentrale analytische Leistung erbracht (Theorienvergleich), die direkt in deine Argumentation eingeflossen ist.
Wenn KI-Nutzung Teil deiner Forschungsmethode ist (z.B. zur Auswertung von Interviews oder zur Textanalyse), gehört die Beschreibung in den Methodenteil deiner Arbeit. Dort erklärst du so genau, wie du welches Tool verwendet hast, dass andere dein Vorgehen wiederholen könnten. Die verwendeten Prompts fügst du zusätzlich im Anhang bei.
Bei KI-generierten Abbildungen gibst du in der Bildunterschrift das genutzte Tool an:
Beispiel: Abbildung 1: Visualisierung des Forschungsprozesses (erstellt mit DALL-E 3).
- Ich habe mit meiner Betreuungsperson geklärt, ob ich KI nutzen darf
- Ich habe KI-Nutzung dokumentiert (außer reine Rechtschreib-/Grammatikprüfung)
- Ich habe KI-Tools NICHT im Literaturverzeichnis aufgeführt
- Ich habe KI-generierte Aussagen mit Originalquellen belegt
- Ich habe alle Inhalte geprüft
- Ich übernehme die Verantwortung für alle Inhalte meiner Arbeit
Baresel, Kira; Eube, Cornelia; Knorr, Dagmar; Lutter, Ly; de Nys, Jasmin; Röben, Marieke (2024): KI-Gebrauch im Studienkontext dokumentieren. Hinweise und Arbeitsmaterialien. DOI: 10.48548/pubdata-1476 (28.10.2025)
Hochschule Bayern (08.05.2025): KI-LEITLINIE HOCHSCHULLEHRE Empfehlungen zum Umgang mit KI in der Lehre der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Technischen Hochschulen. https://www.hochschule-bayern.de/fileadmin/daten/Positionspapiere/KI-Leitlinie_Hochschule-Bayern-19052025.pdf (28.10.2025)
Hochschule RheinMain (o.D.): Empfehlungen für Lehrende: Studentischer Einsatz von KI-Tools beim wissenschaftlichen Schreiben. https://www.hs-rm.de/fileadmin/HSRM/EXTERN/Abteilung/V_Studium_und_Lehre/V.1/KI%40HSRM/KI_Handreichungen_und_Anleitungen/AG_Empfehlungen_fuer_Lehrende.pdf (28.10.2025) .
Muss ich genutzte KI-Tools im Literaturverzeichnis angeben?
Nein. KI-Output ist keine wissenschaftliche Quelle. Wenn du Informationen von einer KI erhältst, recherchiere die Originalquelle und zitiere diese. Nur diese gehört ins Literaturverzeichnis.
Darf ich KI bei meiner Abschlussarbeit verwenden?
Das entscheidet deine Betreuungsperson. Kläre vor Beginn der Arbeit, ob und in welchem Umfang du KI-Tools einsetzen darfst.
Welche Risiken gibt es beim Einsatz von KI?
Unbemerkte Plagiate: KI kann Textpassagen reproduzieren, ohne die Quelle zu nennen. Urheberrechtsverletzungen: KI-generierte Inhalte können geschützte Werke enthalten. Datenschutzprobleme: Sensible Daten (z.B. aus Interviews) dürfen nicht in KI-Tools eingegeben werden. Kompetenzverhinderung: Wenn du dir zu viel abnehmen lässt, verpasst du wichtige Lernprozesse.
Was passiert, wenn ich KI-Nutzung nicht kennzeichne?
Das kann als Täuschungsversuch gewertet werden und zu schwerwiegenden Konsequenzen führen – von der Bewertung mit „nicht bestanden“ bis zur Exmatrikulation.
Kann ich KI-generierten Text direkt übernehmen?
Nur mit äußerster Vorsicht und nach gründlicher Prüfung. Du trägst die volle Verantwortung für alle Inhalte deiner Arbeit. KI macht Fehler, erfindet Quellen und kann fachlich falsch liegen. Dokumentiere außerdem eine solche Nutzung als inhaltsgestaltend.
Der Artikel wurde veröffentlicht im Dezember 2025 und zuletzt aktualisiert im Dezember 2025.












