Mit hybrider Lehre meinen wir an der Ohm synchrone Lehre, an der sowohl virtuell als auch vor Ort teilgenommen werden kann. Im Gegensatz zum Streaming zeichnet sich hybride Lehre dadurch aus, dass auch die online teilnehmenden Studierenden aktiv eingebunden werden. Eine hybride Didaktik verbindet den physischen und den virtuellen Raum, so dass alle Teilnehmenden aktiv mitwirken und sich als „im Lehrveranstaltungsraum präsent“ erleben können.
Was Sie hier lernen
Schon kleine Veränderungen können auch bei hybrider Lehre große Wirkungen erzielen. Beispielsweise können online Teilnehmende Fragen formulieren oder Ergebnisse präsentieren. Verantwortlichkeiten können so verteilt werden, dass sie die Lehrperson entlasten und gleichzeitig das Engagement der Studierenden fördern.
Hier erfahren Sie, wie Ihr Weg zu einer lernförderlichen hybriden Lehre gelingen kann und welche Unterstützung Angehörige der Ohm bekommen können.
Inhaltsverzeichnis zu diesem Artikel
- Hybride Didaktik
- Das können Sie jetzt tun! …Wenn Sie schon hybrid lehren und wenn hybride Lehre neu für Sie ist
- Haben Sie noch 5 Minuten …für Praxisbeispiele?
- Tipps für Hochschulangehörige: Community, Train the Trainer und Medientechnik
- Quellen
Hybride Didaktik
Hybride Didaktik verbindet den physischen und den virtuellen Raum, so dass alle Teilnehmenden aktiv mitwirken und sich als „im Lehrveranstaltungsraum präsent“ erleben können. Im besten Fall können die Studierenden vor Ort und online miteinander sowie mit der Lehrperson interagieren. Soziale Interaktion fördert den Lernerfolg, indem sie vertiefte Lernprozesse anregt, soziale Präsenz stärkt und auf diese Weise zu einer lernförderlichen Umgebung beiträgt.
Mit hybrider Lehre Teilhabe ermöglichen
Sowohl bei einer virtuellen Lehrveranstaltung als auch bei einer Lehrveranstaltung, die vor Ort stattfindet, gibt es oft Studierende, die nicht teilnehmen können. Sei es aufgrund von Lebensumständen, eingeschränkter Zugänglichkeit (z.B. techn. Ausstattung), Fragen der Studienorganisation (z.B. Wegzeiten) oder anderer Diversitätsmerkmale.
Um allen die Möglichkeit eines Studiums zu geben, bemühen wir uns um eine inklusive Lehre. Ein erfolgreiches Studium soll von den eigenen Leistungen, von Fähigkeiten, Neigungen und Engagement abhängen, nicht jedoch von Heterogenität bei Bildungshintergrund, Lebenssituation oder gesundheitlichen Einschränkungen.

(Interaktive) Hybride Lehre im Sinne eines blended synchronous learning (vgl. Hastie et al. 2010) ist eine Variante, um Teilhabe zu ermöglichen. Sie ist umso relevanter, je entscheidender eine aktive Teilnahme an der Veranstaltung für die Erreichung der Lernziele ist. Bei Vor-Ort-Lehre kann mit einem hybriden Setting eine virtuelle Teilhabe ermöglicht werden. Bei Online-Lehre kann ein hybrides Setting die Teilhabe vor Ort, also zum Beispiel vom Hörsaal oder Seminarraum aus, ermöglichen.
In unserer vernetzten globalisierten Welt kann hybride Lehre außerdem helfen, in der Lehre gut vorbereitet und resilient gegenüber unerwarteten Entwicklungen und Krisen zu agieren. Sie kann geeignete Lernumgebungen für internationale Zusammenarbeit bieten und Räume bzw. Standorte für interdisziplinäre Lehre verbinden. Sie bereitet auf moderne Meetingkulturen in nationalen und internationalen Unternehmen vor und kann die digitale Souveränität unserer Studierenden fördern.
Hintergrund: Ist hybride Lehre wirklich „hybrid“?
Gelingt es, die virtuell und die vor Ort Teilnehmenden zu vernetzen und Lehrmethoden zu wählen, die virtuelle ebenso wie vor Ort Teilnehmende erfordern, dann wird hybride Lehre als integrierte hybride Lehre oder echtes blended synchronous learning (vgl. Hastie et al. 2010) zum Lehrkonzept – zum didaktischen Gestaltungsprinzip über den Semesterverlauf hinweg.
Im Sinne der ursprünglichen Bedeutung von hybrid sind der virtuelle Raum und der Raum vor Ort beide relevant für das Konzept. Kein Raum kann entfallen, ohne dass dies massive Auswirkungen auf das Gesamtkonzept hat: „Hybrids are not de novo objects composed entirely anew, but are rather inter alia objects, composed through the recombination of existing elements.“ (Battilana & Lee 2014, S. 400)
Bei hybrider Lehre besteht also der Anspruch, die virtuelle Gruppe und die Vor-Ort-Gruppe mit Hilfe von Lehrmethoden zu verzahnen.
Wann passt hybride Lehre zu meiner Lehrveranstaltung?
Die Entscheidung für hybride Lehre sollte aus didaktischen Überlegungen heraus geschehen.
Das richtungsweisende Auswahlkriterium ist, allen Studierenden möglichst gleichermaßen lernförderliche Umgebungen anzubieten, mit denen sie die von Ihnen angestrebten Lernerfolge auf fachlicher Ebene im Semesterverlauf erreichen können.
Im besten Fall schließt dies auch die Ziele zur überfachlichen, zum Beispiel persönlichen oder sozialen, Kompetenzentwicklung ein.
Hier sind einige Leitfragen, die bei der Entscheidung helfen können:
→ Welche Ziele werden mit der Vor-Ort-Teilnahme an der synchronen Veranstaltung verfolgt?
→ Inwieweit können diese Ziele auch über eine virtuelle Teilnahme erreicht werden und wie entscheidend ist die Anwesenheit vor Ort?
→ Genügt es ggf. auch, dass die Studierenden sich in Ausnahmefällen über Selbstlernmaterialien, Aufzeichnungen oder Live-Streaming mit den Veranstaltungsinhalten befassen, also überwiegend selbstgesteuert arbeiten?
Lehrmethoden
Stöbern Sie in einer Zusammenstellung von kleinen Methoden, die helfen können, den Online-Raum und den physischen Raum zu verbinden:
Erfolgsfaktoren
Bei der Planung Ihrer hybriden Lehrveranstaltung können diese Vorüberlegungen helfen, um passende Lehrmethoden für Ihre Situation zu finden:
Online- und Vor-Ort-Gruppe an Bord holen
(Aktive) Vor-Ort- und Online-Gruppen machen ein hybrides Lehrkonzept aus. Ziel ist also, dass die Studierenden in der Vor-Ort-Gruppe nicht nach und nach in den virtuellen Raum wechselt und dass die virtuell Teilnehmenden sich über passive Anwesenheit mit schwarzen Kacheln hinaus aktiv beteiligen. Dafür ist es wichtig, dass der Mehrwert und die Ziele der jeweiligen Teilnahmeform transparent sind.
Mit Hilfe einer Abfrage über die Art der Teilnahme (vor Ort oder virtuell) zu Semesterbeginn bzw. regelmäßig für die Folgeveranstaltung kann außerdem Verbindlichkeit hergestellt werden.
Gemeinsam festgelegte Spielregeln und die Vergabe spezifischer Rollen können die Eigenverantwortung der Studierenden für den Erfolg der Veranstaltung hervorstellen und diese Verbindlichkeit erhöhen. Dies umfasst auch einen Appell Ihrerseits, was Sie als Lehrperson sich wünschen und was Ihnen wichtig für den Veranstaltungsverlauf ist.
Hybride Lehre stellt auch hohe Ansprüche an die Studierenden: Alle sind für den Erfolg der Lehrveranstaltung verantwortlich. Nur durch aktives Engagement und Mitgestaltung kann die Lehre für alle zufriedenstellend verlaufen.
Ein aktives Lehrgespräch führen
Bei hybrider Lehre steht die Lehrperson vor die Herausforderung einer geteilten Aufmerksamkeit zwischen vor Ort und online Teilnehmenden. Diese Doppelbelastung kann aufgelöst werden, indem für die Beantwortung der Fragen ein methodisches Schema verwendet wird:
- Fragen werden abwechselnd an das „Vor-Ort-Plenum“ und das „Online-Plenum“ gestellt.
- Studierende rufen sich für die Beantwortung gegenseitig auf. Zunächst beantwortet ein:e vor Ort Teilnehemer:in die Frage. Zur Beantwortung der nächsten Frage ruft diese:r eine:n Online-Teilnehmer:in auf. Zur Beantwortung der nächsten Frage wählte diese:r eine:n Vor-Ort-Teilnehmer:in aus etc.
- Think-Pair-Share: Zunächst denkt jede:r für sich nach und überlegt sich eine Antwort. Anschließend werden die Überlegungen in 2er- bis 3er-Gruppen diskutiert (Schnelle Gruppenbildung vor Ort: Austausch mit den Nachbarn / Schnelle Gruppenbildung Online: Selbstgesteuerte Wahl eines Breakout-Room) und dann im Plenum zusammengetragen.
- Die Fragen werden in ein Single- oder Multiple-Choice-Format überführt und über ein digitales Abstimmungssystem gestellt.
Engagierte Online-Kleingruppen unterstützen
Gerade bei einer virtuellen Teilnahme können die Studierenden selbst über Art und Tiefe der Teilnahme entscheiden. Bei eher rezeptiven Phasen (z.B. Lehrvortrag) kann eine passive Teilnahme in Ordnung sein. Bei Gruppenarbeiten kann es jedoch für aktiv Teilnehmende frustrierend sein, wenn „stumme schwarze Kacheln“ in der Gruppe eine Zusammenarbeit erschweren oder unmöglich machen. Sie können diese Situation entzerren, indem Sie passiv Teilnehmenden die Möglichkeit geben, aktive Phasen auszulassen:
- Sie lassen die Teilnehmenden für die Kleingruppenarbeit eigenständig in Gruppenräume wechseln. Alle, die sich nicht aktiv beteiligen möchten, können die Arbeitsphase der anderen im Hauptraum abwarten.
- Sie fragen per Handzeichen ab, wer in der folgenden Phase aktiv mitmachen möchte. Alle, die sich nicht melden, sammeln Sie – bzw. sammeln sich selbst – in einem eigenen Gruppenraum namens „passiv“, so dass sie die aktive Phase dort abwarten können, ohne zu stören.
- Sie verschieben alle Teilnehmenden in einen Gruppenraum . Wer in der folgenden Phase aktiv mitarbeiten möchte, wechselt von selbst zurück in den Hauptraum und signalisiert auf diese Weise sein bzw. ihr Commitment.
Die Gruppen vor Ort und online methodisch verzahnen
Für integrierte hybride Lehre, bei der beide Gruppen gleichermaßen im Veranstaltungskonzept berücksichtigt sind, ist es wichtig, ein Gefühl der Co-Präsenz (Bower 2014, siehe auch Zydney et al. 2019) zu schaffen: Online- und Vor-Ort-Gruppe agieren miteinander und werden mit ihren Besonderheiten in Lehrmethoden einbezogen.
Die Rolle der Online-Teilnehmenden kann z.B. sein:
- Ein Video ansehen
- Auf einem digtalen Whiteboard arbeiten
- Zu Fragestellungen recherchieren
- Einen Moodlekurs aktualisieren
- Ein Stimmungsbild oder Feedback beisteuern (Icons, Emoticons)
- Kurzantworten zuliefern (z.B. Chatgewitter)
Die Rolle der Vor-Ort-Teilnehmenden kann z.B. sein:
- Untereinander diskutieren
- Haptisch arbeiten mit Geräten, Modellen, Proben, …
- An Pinnwand, Tafel oder Flipchart visualisieren
- Gutes Teamgefühl und angenehme Arbeitsatmosphäre erzeugen
- Sich im Lernort „Hochschule“ bewegen
- Non-verbales Feedback an die Lehrperson geben
- Non-verbales Feedback von der Lehrperson bekommen
Diese Rollen können methodisch aufgegriffen werden, indem Online- und Vor-Ort-Teilnehmende arbeitsteilig in Gruppen arbeiten, deren Ergebnisse dann im Plenum zusammengeführt werden. Alternativ können Online- und Vor-Ort-Gruppen abwechselnd arbeiten, während die jeweils andere Gruppe Pause hat. Als dritte Möglichkeit bleibt die technisch herausforderndste Variante „echter“ hybrider Gruppen, bei denen online Teilnehmende und vor Ort Teilnehmende in einer gemeinsamen Gruppe sind.
Das können Sie jetzt tun!
Sie lehren schon hybrid?
Nutzen Sie die didaktische Umsetzungshilfe, um die einzelnen Überlegungen zu strukturieren. Sie werden über eine Bestandsaufnahme hin zum Entwickeln von Lösungen und der Entscheidung für konkrete nächste Schritte geleitet:
Hybride Lehre ist neu für Sie?
Der Workflow „Hybrid starten“ führt Sie Schritt für Schritt von Ihrer Vor-Ort-Lehre zu Ihrem ersten hybriden Setting.

Das Team Lehr- und Kompetenzentwicklung der Ohm berät und unterstützt in allen Phasen. Kontakt: leko@th-nuernberg.de
Haben Sie noch 5 Minuten?
… dann lesen Sie eines der Praxisbeispiele für hybride Lehre an der Ohm.
Tipps für Hochschulangehörige
Als Angehörige der Ohm können Sie unsere Ressourcen nutzen, um hybride Lehre zu erproben oder weiterzuentwickeln:
Train the Trainer: Bei LeKo finden Sie Austausch und Anregungen, um Ihre hybride Lehre lernförderlich zu gestalten und heterogene Studierendengruppen zielgerecht zu adressieren. Kontakt…
Technik: Das Team Medien an der Ohm bietet medientechnische Beratung, Unterstützung und einen umfangreichen Equipmentverleih. Angebot und Ansprechpartner des Team Medien erreichen Sie über das myOhm-Intranet, oder Sie wenden sich direkt an das Team Medien per Mail.
Quellen
Battilana, Julie & Lee, Matthew (2014). Advancing Research on Hybrid Organizing. The Academy of Management Annals 8(1), 397-441, p. 400. DOI: 10.1080/19416520.2014.893615
Bower, M., Dalgarno, B., Kennedy, G., Lee, M. J. W., & Kenney, J. (2014). Blended Synchronous Learning – A Handbook for Educators. Office for Teaching and Learning. https://blendsync.org/
Gumm, Dorina & Hobuß, Steffi (2021). Hybride Lehre – Eine Taxonomie zur Verständigung. Impact Free – Journal für freie Bildungswissenschaftler 38. Zum Artikel…
Hastie, Megan, Hung, I-Chun, Chen, Nian-Shing & Kinshuk (2010). A blended synchronous learning model for educational international collaboration. Innovations in Education and Teaching International 47(1), 9–24. DOI 10.1080/02188791.2020.1766417
Raes, A., Detienne, L., Windey, I. & Depaepe, F. (2020). A systematic literature review on synchronous hybrid learning: Gaps identified. Learning Environments Research, 23(3), 269–290. https://doi.org/10.1007/s10984-019-09303-z
Wang, Q. & Huang, C. (2018). Pedagogical, social and technical designs of a blended synchronous learning environment. British Journal of Educational Technology 49(3), 451-462. https://doi.org/10.1111/bjet.12558
Zydney, Janet Mannheimer; McKimmy, Paul; Lindberg, Rachel & Schmidt Matthew (2019). Here or There Instruction: Lessons Learned in Implementing Innovative Approaches to Blended Synchronous Learning. TechTrends 63, 123–132. DOI: 10.1007/s11528-018-0344-z
Der Beitrag wurde veröffentlicht im Dezember 2025 und zuletzt aktualisiert im Dezember 2025.

