Sie befassen sich zum ersten Mal mit KI?
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Bedenken und Fragen zum Einstieg ins Themenfeld „KI in der Hochschullehre“
Kann ich KI in meiner Lehrveranstaltung nicht einfach verbieten und so weitermachen wie bisher?
In aller Kürze: Nein.
Das Potenzial von KI-Systemen wächst rasant und hat jetzt schon massive Auswirkungen auf unseren Alltag, unser Berufsleben, unser Miteinander. Oft bemerken wir gar nicht, dass KI-Systeme in unser Handeln eingreifen, wenn sie zum Beispiel in digitale Prozesse integriert sind.
Unsere derzeitigen und insbesondere unsere zukünftigen Studierenden werden in ihrem Lebens- und Bildungsweg mit diesen Veränderungen konfrontiert. Es ist essenziell, dass wir als Bildungsträger diese weitreichenden Veränderungen thematisieren, sie in die Lehre integrieren und die Studierenden auf ihrem Weg zu einem verantwortungsvollen, reflektierten Umgang mit KI begleiten, fördern und fordern.
Wir alle müssen uns also zu KI informieren, uns austauschen und an den neuen Herausforderungen wachsen. Nutzen Sie am besten die Strukturen und Angebote der Hochschule, um einen guten, souveränen Zugang zu KI zu finden und für Ihre Studierenden ein professionelles Lernumfeld aufbauen zu können.
Das ist doch ganz einfach: Es gibt Software, die KI-generierte Inhalte erkennt, oder nicht?
In aller Kürze: Nein.
Software zur Erkennung von Plagiaten bietet oft auch die Option, dass angezeigt wird, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Text KI-generiert ist. Diese Angabe ist jedoch keinesfalls rechtsverbindlich, und auch alles andere als zuverlässig. Hier eine Auswahl von Gründen:
- KI-Systeme können individuelle Schreibstile nachbilden.
- Menschliche Schreibstile können vermeintlich „KI-typische“ Elemente enthalten.
- KI-generierte Inhalte prägen zunehmend menschliche Schreibstile (und umgekehrt), so dass die Abgrenzung verschwimmt.
- Die Outputs von KI-Systemen werden immer besser, so dass vermeintlich typische Kennzeichen bei Wortgebrauch, Stil oder Grammatik verschwinden oder sich verändern.
Verlassen Sie sich also nicht auf die Option, den KI-Gebrauch kontrollieren zu können. KI-Systeme werden den Einzug in Lernen und Arbeiten finden. Professionelle KI-Kompetenzen werden Vorteile im Berufsumfeld und Wissenschaftsbetrieb bringen. Es ist essenziell, dass wir als Bildungsträger diese weitreichenden Veränderungen thematisieren, sie in die Lehre integrieren und die Studierenden auf ihrem Weg zu einem verantwortungsvollen, reflektierten Umgang mit KI begleiten, fördern und fordern.
Gehen Sie mit Ihren Studierenden ins Gespräch und suchen Sie gemeinsam nach einem sinnvollen Umgang mit den neuen Entwicklungen. Wechseln Sie von Kontrolle und Verbot zu einer vertrauensvollen, co-kreativen Lernatmosphäre, in der ein offener, kritischer Umgnag mit KI-Systemen selbstverständlich ist.
Was ist eigentlich generative KI und warum ist es so ein disruptives Thema an den Hochschulen?
Generative KI ist eine Form künstlicher Intelligenz, die auf Basis großer Datenmengen neue Inhalte erzeugen kann, wie zum Beispiel Texte, Bilder oder Code. Sie nutzt die Wahrscheinlichkeiten von Mustern und Beziehungen zwischen Daten, um neue Informationen abzuleiten und auszugeben. Generative KI kann auf diese Weise zur Bearbeitung komplexer Aufgaben herangezogen werden, die bislang menschliches Denken erforderten, etwa beim wissenschaftlichen Schreiben oder bei der Programmierung.
Generative KI-Tools sind häufig frei zugänglich, wirken einfach in der Handhabung und bringen schnelle Ergebnisse und Erfolgserlebnisse. Sie finden deshalb in rasanter Geschwindigkeit Einzug in unsere Gesellschaft – privat wie beruflich und eben auch im Bildungskontext.
An Hochschulen werden durch die verbreitete Nutzung von KI zum Beispiel traditionelle Prüfungsformate infrage gestellt, da Studierende mit KI-Unterstützung die bisher zugrunde liegende akademische Eigenleistung unterlaufen können. Qualifikationsprofile müssen angepasst, KI-Kompetenzen in Curricula integriert werden. Das Lernverhalten ebenso wie die Lerninhalte werden durch die rasanten technologischen Entwicklungen massiv beeinflusst.
Da KI Auswirkungen auf alle Bereiche unserer Gesellschaft hat, insbsondere auch auf die Berufswelt, müssen Hochschulen sich damit befassen, wie sich Lehre und Bildung verändern, um die Studierenden gut auf ihre Zukunft vorzubereiten. Es geht darum, Lösungen für ein komplexes Thema zu finden, das an vielen Stellen Auswirkungen hat und nicht klar definierbar oder abgrenzbar ist. Dementsprechend ist interdisziplinäre und ressortübergreifende Zusammenarbeit, kontinuierlicher Austausch und vernetztes Lernen als Organisation erforderlich, um als Hochschule zukunftsfähig zu bleiben und von der Reaktion in die Aktion als richtungsweisende Institution zu kommen.
(Einzelne Satzbausteine von Copilot erstellt)
Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Lehre
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Hochschullehre nachhaltig – sowohl als didaktisches Werkzeug zur Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen als auch als eigenständiger Lerninhalt. Sie eröffnet neue Perspektiven für personalisiertes Lernen, automatisierte Leistungsrückmeldungen und innovative Lehrformate. Gleichzeitig wirft der Einsatz von KI zentrale Fragen zu akademischer Integrität, Datenschutz und ethischer Verantwortung auf.
Vor diesem Hintergrund entwickeln Hochschulen in ganz Deutschland derzeit Leitlinien für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-gestützten Technologien in der Lehre. Auch an der Ohm wird dieser Prozess aktiv gestaltet, um Lehrenden und Studierenden praxisnahe Orientierungshilfen für den sinnvollen Einsatz von KI bereitzustellen.
Lehre und Prüfungsgestaltung
KI kann auf unterschiedliche Art und Weise in Lehr-Lernszenarien oder auch in den Prüfungskontext eingezogen werden. Die folgenden Beispiele zeigen, wie KI gewinnbringend in der Lehre und im Studium integriert werden kann.
KI-Nutzung dokumentieren und reflektieren
KI kann genutzt werden, um die Dokumentation, Reflexion und kritische Betrachtung des Interaktionsprozesses bei der Bearbeitung von Aufgaben mit generativer KI wie ChatGPT oder ähnlichen Systemen zum Gegenstand des formativen Assessments zu machen.
KI für Ideenentwicklung nutzen
KI kann als tutorielles Begleitsystem sowie zur Ideation und Exploration von Themengebieten, fachlichen Denkansätzen und Fragestellungen eingesetzt werden.
KI zur Unterstützung des Selbstlernens einsetzen
KI kann als System genutzt werden, dass Studierenden weiterführendes Selbstlernen ermöglicht, z.B. durch Generierung von Übungsaufgaben zur Klausurvorbereitung, Feedback- und Supportsystem für studentische Ausarbeitungen oder auch zur Durchführung eines (sokratischen) Dialogs zu einem fachspezifischen Thema.
KI kritisch hinterfragen
KI-generierte Ausgaben zu behandelten Themenfeldern können im Lehrkontext gemeinsam mit Studierenden berücksichtigt und kritisch hinterfragt werden, um einen fachlich kompetenten und kritisch-konstruktiven Umgang mit KI zu fördern.
KI im wissenschaftlichen Arbeiten thematisieren
KI kann im Kontext wissenschaftlichen Arbeitens und wissenschaftlicher Recherche thematisiert werden, um Chancen und Grenzen aufzuzeigen sowie Studierenden Handlungsrichtlinien für einen reflektierten Umgang mit KI zu vermitteln.
Zukünftig wird der Fokus in der Hochschullehre voraussichtlich stärker auf den Lernaktivitäten und Handlungskompetenzen der Studierenden liegen – weniger auf der reinen Reproduktion von Wissen. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte higher-order cognitive processes, wie:
- die Anwendung fachlicher Praktiken im Kontext von Beruf und Forschung,
- kritisches Denken und Reflexion,
- Problemlösungskompetenz und
- handlungsorientiertes Lernen.
Viele der genannten Einsatzmöglichkeiten von KI befinden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Sie müssen in den kommenden Jahren systematisch erprobt, evaluiert und wissenschaftlich begleitet werden, um ihre Wirksamkeit und Grenzen besser zu verstehen.
Lehrende können jedoch bereits heute erste Schritte unternehmen, um KI sinnvoll in ihre Lehre zu integrieren. Dabei gewinnen sie wertvolle Erkenntnisse, mit denen sie ihre didaktischen Konzepte weiterentwickeln können.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die aktive Einbindung der Studierenden: Gemeinsam sollte reflektiert werden, welche KI-gestützten Methoden den Lernprozess tatsächlich fördern – und welche nicht.
Selbststudium
Auch außerhalb von Lehrveranstaltungen kann KI Studierende bei verschiedenen Aufgaben unterstützen:
- Klärung von Verständnisfragen
- Erklärung und Vertiefung fachlicher Konzepte
- Recherche und Literaturarbeit
- Übersetzungen
- Ideenfindung und Problemlösung
- Generierung von Übungsaufgaben
- Simulation von Fachgesprächen
- Planung von Datenanalysen
- Korrektur von Rechtschreibung und Grammatik
Im Online-Kurs AIce Your Exams – Generative KI als Copilot erwerben Studierende grundlegende Kompetenzen im Umgang mit generativer KI, Prompt Engineering sowie KI-Tools. Zudem erfahren sie, wie sie durch gute Eingaben bessere Ergebnisse erzielen können und wie KI beim Lernen unterstützen kann.
Studierende der Ohm müssen den KI-Test erfolgreich absolvieren, um die für zukünftige Prüfungen erforderlichen KI-Grundlagenkompetenzen nachzuweisen.
KI-Systeme und -Tools für die Hochschullehre und das wissenschaftliche Arbeiten
- OneTutor ist ein von TUM-Studierenden entwickeltes KI-Assistenzsystem, das Studierenden durch kuratierte, KI-generierte Quiz sowie einen RAG-basierten Chatbot zur Lehrmaterialien-Nutzung gezielte Unterstützung beim Lernen bietet.
- Mit dem Verbundprojekt HAnS entsteht eine KI-gestützte Lehr-/Lernumgebung, die Vorlesungs- und Lehrvideos samt Materialien intelligent bündelt und aufbereitet – für ein effektives, bedarfsorientiertes Selbststudium als Ergänzung zur Präsenzlehre
- Das Online Writing Lab bietet zudem hilfreiche KI-Tools für wissenschaftliche Arbeiten sowie Tipps für deren sinnvolle und kritische Nutzung im Schreib- und Rechercheprozess: KI-Tools für wissenschaftliche Arbeiten nutzen – Online Writing Lab
Was muss ich als Lehrperson wissen und können?
Als Lehrperson sind auch für Sie zunächst allgemeine Basiskomptenzen zu technischen, rechtlichen und ethischen Aspekten relevant. Einen Überblick bietet die Handreichung KI-Verordnung der EU als Impuls für die Entwicklung von AI Literacy an Hochschulen, in der diese Basiskomeptenzen in konkrete Anforderungen aufgeschlüsselt sind.
Für Mitarbeitende der Ohm steht zusätzlich ein KI-Kurs des Bildungsportals BayLern zur Verfügung.
Der Kurs umfasst folgende Inhalte:
- Vermittlung grundlegender Kenntnisse über KI
- KI-Verordnung
- Rahmenbedingungen für den praktischen Einsatz von KI
- aktuelle KI-Trends
Die erfolgreiche Absolvierung des Kurses ist für alle Mitarbeitenden der Ohm vorgeschrieben und Bestandteil der Neueinstellung. Nach erfolgreichem Abschluss der Schulung erhalten die Teilnehmenden einen digitalen Nachweis.
Natürlich sind auch umfassende methodische Kompetenzen hilfreich, um mit KI-Systemen Lehre und Prüfungen zu entwerfen, zu planen, sie vorzubereiten und zu bewerten; so zum Beispiel die Fähigleit, KI-Tools vergleichen zu können, geeignete Prompting-Techniken und -Strategien für die Erstellung von Lehrmaterialien auswählen zu können oder Szenarien identifizieren zu können, bei denen generative KI-Tools eine Arbeitserleichterung bieten.
Darüber hinaus ist für die Lehre insbesondere die Auseinandersetzung mit didaktischen Fragstellungen essenziell, um relevante Veränderungen bei Lernzielen, Lehrmethodik und Lernaktivitäten sowie Feedback, Assessment und Prüfungen anstoßen zu können.
Didaktisch orientierte Kompetenzziele für Lehrende können zum Beispiel sein:
Lernverhalten der Studierenden
Sie können die aktuellen Möglichkeiten von generativen KI-Systemen einschätzen und beurteilen, bei welchen Lernaktivitäten Studierende generative KI-Systeme hinzuziehen könnten.
Lehrinhalte und Lehrgestaltung
Sie können
…kompetenzorientierte Lernziele zum Erwerb relevanter KI-Kompetenzen in Ihrem Fach formulieren.
…für die Qualifikation der Studierenden geeignete kompetenzorientierte Lernziele formulieren, die die Nutzung von KI-Systemen durch die Studierenden berücksichtigen.
…für diese Kompetenzziele geeignete Lehrmethoden und Prüfungsformen auswählen.
…die Studierenden für einen rechtlich und ethisch verantwortungsvollen Umgang mit generativer KI sensibilisieren.
Abschlussarbeiten und Prüfungen
Sie können
…die Eigenleistung der Studierenden in Prüfungen so definieren, dass sie entweder KI-Nutzung gezielt einschließt, und/oder dass sie durch unerlaubte KI-Nutzung nicht unterlaufen werden kann.
…die Prüfungsform an die definierte Eigenleistung anpassen.
…die zulässige KI-Nutzung in Prüfungsleistungen angemessen bewerten.
Der Beitrag wurde veröffentlicht im September 2026 und zuletzt aktualisiert im Februar 2026.


