Der Übergang von der Schule zur Hochschule überfordert viele Erstsemester in Sachen Selbstorganisation. Ein Praxisbeispiel aus unserer Fakultät Verfahrenstechnik zeigt, dass gezielter Support hier die Rettung sein kann: Durch die Verankerung des Moduls „Lernen lernen“ im ersten Semester konnte die Abbruchquote stark gesenkt werden.
Die Studierenden bewerteten dabei drei konkrete Lerntechniken als besonders hilfreich. Hier ist ein kompakter Überblick wie Sie diese Tools an Ihre Studierenden weitergeben können:
1. Pomodoro-Technik: Fokus-Phasen etablieren
Worum geht’s?
Gesteuertes Zeitmanagement gegen Prokrastination. Die Idee hinter der Pomodoro-Technik ist die Unterteilung der Lernzeit in hochfokussierte 25-Minuten-Intervalle, um die mentale Hürde beim Einstieg in komplexe Aufgaben zu senken. Nach jeder Phase folgt eine kurze, feste Pause, die dem Gehirn die nötige Regeneration für die nächste Konzentrationsrunde gibt.
Das Prinzip
- 1. Fokus-Block: Die Studierenden wählen eine konkrete Aufgabe aus und arbeiten 25 Minuten lang mit maximaler Konzentration daran ohne Ablenkung durch Smartphone.
- 2. Kurzpause: Nach Ablauf der Zeit folgt eine zwingende 5-minütige Pause zum Durchatmen und Bewegen (bewusst ohne Social Media).
- 3. Zyklus & Langzeitpause: Dieser Ablauf wird viermal wiederholt. Nach vier Runden folgt eine längere Regenerationsphase von 15–30 Minuten.
Tipp für Ihre Lehre
Empfehlen Sie die Technik für die selbstorganisierte Lernzeit oder bauen Sie testweise eine „Pomodoro-Session“ in eine Übung oder ein Seminar ein, um den Studierenden den Einstieg zu erleichtern.
2. Eisenhower-Matrix: Relevanz von Aufgaben verstehen
Worum geht’s?
Priorisierung von To-Dos nach Wichtigkeit und Dringlichkeit.
Das Prinzip
Aufgaben werden in vier Quadranten aufgeteilt:
- 1. Wichtig & Dringend (Sofort erledigen)
- 2. Wichtig, nicht dringend (Terminieren & Planen)
- 3. Dringend, nicht wichtig (Delegieren & schnell erledigen)
- 4. Weder wichtig noch dringend (Eliminieren & Minimieren)
Tipp für Ihre Lehre
Studierende neigen dazu, Aufgaben erst anzugehen, wenn sie akut dringend sind. Nutzen Sie die Matrix visuell in Ihren Veranstaltungen, um z. B. Semesterarbeiten einzuordnen und den Fokus rechtzeitig auf Quadrant 2 (langfristiges Vorbereiten) zu lenken.

3. Lernportfolio: Reflektiertes Lernen fördern
Worum geht’s?
Begleitung des eigenen Lernprozesses statt reinem Bulimie-Lernen.
Das Prinzip
Die Studierenden dokumentieren regelmäßig ihre Lernfortschritte, formulieren Lernziele, reflektieren ihr Verständnis und überprüfen die Wirksamkeit ihrer Lernstrategien.
Typische Reflexionsfragen
- Wie kann ich das Gelernte in eigenen Worten wiedergeben?
- Welche Inhalte sind für mich besonders wichtig und warum?
- Wofür kann ich die heutigen Lerninhalte nutzen?
- Welche Inhalte habe ich noch nicht vollständig verstanden?
- Wie und wann möchte ich das Gelernte anwenden?
- Was ist mein nächstes konkretes Lernziel?
Tipp für ihre Lehre
Das Lernportfolio eignet sich hervorragend als alternative, kompetenzorientierte Prüfungsleistung. Es fördert Selbstreflexion, selbstreguliertes Lernen und die eigenständige Auswahl geeigneter Lernmethoden und digitaler Werkzeuge.Lassen Sie Studierende am Ende jeder Vorlesung drei kurze Fragen beantworten:
- 1. Was habe ich heute gelernt?
- 2. Was habe ich noch nicht vollständig verstanden?
- 3. Was werde ich bis zur nächsten Sitzung konkret umsetzen?
Quellen
- Nückles, M. & Renkl, A. (2010). Das Lerntagebuch in der Hochschullehre: Ein hoch-schuldidaktischer Ansatz zur Förderung selbstgesteuerten Lernens. In C. Spiel, R. Reimann, B. Schober & P. Wagner (Hrsg.), Bildungspsychologie (S. 319-323). Göttingen: Hogrefe.
- Bischof, Klaus Dr. / Bischof, Anita / Müller, Horst (20236): Das Eisenhower-Prinzip: Wichtigkeit und Dringlichkeit unterscheiden. In: Bischof, Klaus Dr. / Bischof, Anita / Müller, Horst: Selbstmanagement (S. 53 ff.). Freiburg: Haufe.
- Noll, Maria und Vode, Dzifa (2024): Die Pomodoro-Technik – Mit der Zeit arbeiten, Online Writing Lab, Technische Hochschule Nürnberg. Online im Internet: URL: https://leko.service.th-nuernberg.de/owl/artikel/die-pomodoro-technik-mit-der-zeit-arbeiten [Stand: 20.07.2026].
Der Beitrag wurde veröffentlicht im September 2026.

