Barrierefreiheit in der Lehre bedeutet, Lernangebote so zu gestalten, dass alle Studierenden – unabhängig von individuellen Einschränkungen – gleichberechtigt an der Hochschulbildung teilhaben können. Eine inklusive Lernumgebung schafft die Voraussetzungen dafür, dass alle aktiv mitarbeiten, ihr Potenzial entfalten und erfolgreich studieren können.
Rund 16 Prozent der Studierenden sind von einer Beeinträchtigung oder Behinderung betroffen. Sie können bei der Teilhabe am Studium vor große Herausforderungen gestellt werden. Das macht es zu einem besonderen Anliegen der Hochschulen, die Lehre möglichst inklusiv und barrierearm zu gestalten.
Die rechtliche Grundlage bilden unter anderem das Grundgesetz, die UN-Behindertenrechtskonvention, das Sozialgesetzbuch sowie die Allgemeine Studien- und Prüfungsordnung der Hochschule. Der zentrale Grundsatz lautet, dass niemand aufgrund einer Behinderung benachteiligt werden darf.
Digitale Barrierefreiheit in der Lehre
Ein zentraler Bestandteil einer barrierefreien Lehre ist die digitale Barrierefreiheit und eine ebenso wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Die Europäische Union und der Freistaat Bayern haben deshalb rechtliche Vorgaben geschaffen, die öffentliche Einrichtungen zur barrierefreien Gestaltung ihrer Websites und digitalen Angebote verpflichten. Ziel dieser Regelungen ist es, dass möglichst alle Menschen digitale Informationen und Dienstleistungen selbstständig nutzen können.
Barrierefreiheit an der Ohm
Die Ohm orientiert sich an diesen Vorgaben und verfolgt das Ziel, ihre Angebote für alle Nutzerinnen und Nutzer zugänglich zu gestalten. Sie versteht Barrierefreiheit nicht nur als rechtliche Verpflichtung, sondern auch als wichtigen Beitrag zu Inklusion, Chancengleichheit und einer offenen Hochschulkultur. Daher arbeitet die Hochschule kontinuierlich daran, bestehende Barrieren abzubauen und die Nutzbarkeit ihrer Angebote weiter zu verbessern.
Die Umsetzung von Barrierefreiheit ist anspruchsvoll: Sie erfordert technische, didaktische und gestalterische Maßnahmen. Lehrende stehen vor der Aufgabe, ihre Materialien und Methoden so zu entwickeln, dass sie für ein breites Spektrum an Beeinträchtigungen zugänglich sind – darunter visuelle, auditive, motorische, kognitive und psychische Einschränkungen.
Empfehlungen für die Praxis
Vor der Veranstaltung
- Nehmen Sie Kontakt mit den Studierenden auf, um individuelle Bedarfe zu ermitteln.
- Prüfen Sie die Zugänglichkeit von Lernplattform, digitalen Tools und Veranstaltungsraum.
- Bieten Sie Ihren Studierenden Kontaktmöglichkeiten an, falls diese auf Barrieren stoßen.
- Achten Sie auf barrierefreie Materialien bereit (z. B. barrierefreie Moodle-Kurse, Dokumente und Videos):
- Klare Struktur und einfache Navigation
Verwenden Sie eine logische Gliederung mit sprechenden Überschriften. Nutzen Sie hierfür die Formatvorlagen, damit die Struktur für Screenreader erkennbar ist. - Lesbarkeit und Kontraste optimieren
Verwenden Sie gut lesbare Schriftarten, ausreichende Schriftgrößen und starke Farbkontraste. - Multimediale Inhalte zugänglich machen
Videos sollten mit Untertiteln und ggf. Audiodeskriptionen versehen sein. Nutzen Sie barrierefreie Player wie „Melvin“ (SHUFFLE-Projekt).
- Klare Struktur und einfache Navigation
Während der Veranstaltung
- Sprechen Sie eine klare Sprache, langsam und mit Blick in Richtung des Plenums (wichtig für Lippenlesende).
- Nutzen Sie ein Mikrofon, um automatische Untertitelung (Live-Transkription in MS Teams) zu ermöglichen.
- Achten Sie auf eine respektvolle Kommunikationskultur, z. B. nur eine Person spricht gleichzeitig.
- Verbalisieren Sie Grafiken und visualisieren Sie Audioinhalte sowie gesprochene Texte.
Nach der Veranstaltung
- Stellen Sie Mitschnitte mit Untertiteln zur Verfügung.
- Bieten Sie eine individuelle Nachbesprechung oder Sprechstunde.
Das können Sie jetzt tun
Versetzen Sie sich in die Rolle einer Studentin oder eines Studenten mit Beeinträchtigung: Welche Hürden könnten beim Zugang zu Ihren Lehrmaterialien, digitalen Angeboten oder Lehrveranstaltungen entstehen?
Lesen Sie außerdem auf BlindDate die Erfahrungsberichte von mindestens drei Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung.
Reflektieren Sie dabei, welche Barrieren im Studienalltag beschrieben werden und wie diese durch eine barrierefreie Lehre reduziert werden könnten.
Der Beitrag wurde veröffentlicht im September 2026.
