- Wie überprüfe ich den Lernstand meiner Studierenden während der Lernveranstaltung?
- Wie erkenne ich frühzeitig Verständnisprobleme?
- Wie nutze ich Abstimmungsergebnisse für die weitere Unterrichtsgestaltung?
In diesem Praxisbeispiel erfahren Sie, wie Sie mithilfe von Abstimmungssystemen nach dem Schema „Peer Instruction“, den aktuellen Lernstand der Studierenden abfragen und in die Veranstaltung integrieren können.
Die Herausforderung
Häufig bauen komplexe Inhalte in Vorlesungen aufeinander auf. Wer frühzeitig den Anschluss verliert oder falsche Vorstellungen entwickelt, ohne das explizit zu bemerken, hat es schwer, dem weiteren Verlauf zu folgen. Für die Lehrperson ist nicht ersichtlich, wie viele Studierende noch den Inhalt erfassen und neues Wissen korrekt verarbeiten können.
Wie wurde das in der Vorlesung umgesetzt?
In der Vorlesung Theoretische Informatik im zweiten Semester der Studiengänge Informatik und Medieninformatik wird jede thematische Einheit vorgestellt, und in den Übungen werden Aufgaben dazu gelöst. Im Anschluss daran wird das Thema abgeschlossen, indem ca. 5 verständnisorientierte Fragen nach dem Schema der Peer Instruction nach Mazur gestellt werden. Die Abstimmungsergebnisse werden projiziert, so dass der individuelle Kenntnisstand mit der Gruppe abgeglichen werden kann und sowohl Lehrperson als auch Studierende einen Überblick erhalten.
Das weitere Vorgehen, also ob Fragen diskutiert, Themen wiederholt oder vertieft werden, oder ob das nächste Thema begonnen wird, richtet sich nach diesen Abstimmungsergebnissen. Die Peer-Instruction-Fragen werden also als Feedback-Instrument in Blöcken von je 4-6 Fragen eingesetzt, wenn ein Kapitel abgeschlossen und auch in der Übung behandelt wurde.
Was Sie vorher wissen sollten…
Der Einsatz der Methode erfordert ein präzises Herausarbeiten der zu vermittelnden Kompetenzen, was durchaus auch dem Dozenten nutzen kann.
Die Ermittlung schnell aufzunehmender, unmissverständlicher Aufgabenstellungen ist fachlich und didaktisch fordernd. Sie erfordert unter Umständen mehrere Durchläufe, da die Reaktion der Studierenden auf eine Aufgabenstellung nur bedingt vorherzusehen ist – insbesondere bei vom Dozenten als leicht angesehene Aufgaben war die Rückmeldung mitunter überraschend.
Bei der Planung einer Sitzung sollte man berücksichtigen, dass die fachliche Herausforderung in Verbindung mit sozialer Interaktion Studierende durchaus anstrengt. Positiv anzumerken ist die große Intensität, mit der die Studierenden die Aufgaben bearbeiten und diskutieren.
So funktioniert die Methode „Peer Instruction“
Verständnisfragen im Multiple Choice-Format werden nach folgendem Schema gestellt:
- Zeit zum individuellen Überlegen
- Wahl der Antwort
- Diskussion mit Nachbarn
- Wahl der Antwort
- Je nach Ergebnis: Diskussion, weitere Erläuterungen, Vertiefung, …

Die Fragen können mit Clickern oder Online-Abstimmungssystemen gestaltet werden. Da die Abstimmungsergebnisse projiziert werden können, können auch die Studierenden einen guten Überblick über das Antwortverhalten der Gruppe bekommen. Am Ende bietet die grafische Darstellung der Antwortverteilung eine gute Grundlage für die Diskussion bzw. weitere Vertiefung des Themas.
Lehrende erhalten auf diese Weise Feedback zum Verständnis der Studierenden, sie können Fehlkonzepte und Missverständnisse leichter identifizieren und den Lernstoff zielgerichtet gestalten. Darüber hinaus kommen sie automatisch über das Gespräch zu den Fragen und Antworten in einen persönlicheren Kontakt zu den Studierenden.
Studierende haben direkte Erfolgs- und Lernerlebnisse während der Veranstaltung (richtige Antworten, überzeugende Diskussionsbeiträge) und erhalten ein direktes Feedback zu ihrem Lernstand. Das aktive Beitragen wird durch die Kopplung mit einem anonymisierten Abstimmungssystem und die Phase der Peer-Diskussion erleichtert.
Der Beitrag wurde veröffentlicht im August 2026.

